Mittwoch, 26. Oktober 2011

"Wochenendausflug"

Freitag bekamen wir dann noch Besuch von Nicolai und von Jessica aus Eguafo, die Eline im Gepäck hatte, eine Freiwillige aus Belgien, die auch in Eguafo wohnt.
Am späten Nachmittag ging ich noch einmal bei Elizabeth und Gideon vorbei, um dem Shop eine zweite Schicht Farbe zu verpassen, nicht ohne auch noch etwas Französischnachhilfe zu geben, das Haus zu besichtigen und die beiden auch zu uns einzuladen.
Und nachdem Freitag ein wirklich anstrengender Tag war, standen wir am Samstag schon wieder früh morgens auf, um nach Sekondi- Takokradi aufzubrechen.
Wir fuhren erst mit zwei verschiedenen Taxen in die Stadt, zum Kotukaraba, trafen uns dort an der Trotro Station wieder und stiegen dann gemeinsam, meine WG, Eline, Jessica und Nico, in einen Toyota- Van nach Takoradi. Für drei Cedi waren wir eineinhalb Stunden lang Richtung Westen unterwegs und bekamen spannende Sachen zu sehen, sodass ich ein paar sehr schöne Fotos machen konnte. Wir sahen havarierte Autos und einen umgekippten LKW, viel Natur und einige Ortschaften. Vormittags erreichten wir dann Takoradi, eine der größten Städte Ghanas, eine aufstrebende Hafen- und Industriestadt, die ganz besonders von den Ölfunden vor Ghanas Küste profitiert, von denen sich die Regierung einen rasanten Aufstieg zum Industrieland erhofft.
Wir liefen einmal durch die Stadt bis zum Markt und der ist wirklich interessant. Man muss sich einen kreisrunden Platz vorstellen, in dessen Zentrum ein kreisrundes, zweistöckiges, kunterbuntes, vor Ware und Menschen überquillendes, altes Gebäude steht. Von allen Seiten des Circles kann man kleine, bunte Läden sehen, die unten in dem kreisrunden Marktgebäude untergebracht sind. Im oberen Stockwerk befinden sich ebenfalls Läden und in der oberen Ebene führt ein Balkon um das Gebäude herum. Durch das Gebäude gelangt man auf den eigentlichen Markt. Typisch ghanaisch weiß man nie, wo man ist, wo es langgeht und vor allem nicht, wenn man einmal drinnen ist, wie man wieder rauskommen könnte. Am besten läuft man immer grob in eine Richtung. Anschließend versuchten wir, irgendwie ans Meer zu kommen und den Hafen zu besichtigen, aber man kann sich nicht wirklich vorstellen, wie schwierig es sein kann, aus dem Market Circle von Takoradi herauszukommen. Er hält einen regelrecht fest, wie ein Magnet. Man läuft im Kreis um die Mitte herum, fragt die Menschen nach der Richtung zum Meer und erhält im besten Fall keine, oder aber gleich mehrere verschiedene Angaben. Meist bekommt man zu hören, dass man ein Taxi nehmen soll, aber wir wollten immer noch laufen, was für die Ghanaer immer ziemlich verwirrend ist. Also irrten wir mehrmals im Kreis, bis wir einen Hotelangestellten fragten, der uns erstmals wirklich den Weg beschreiben konnte. Als wir dann merkten, dass es tatsächlich ziemlich weit zu sein schien, nahmen wir doch ein Taxi. Ein Taxi wohlgemerkt. Zu siebt. So saßen Nico, Jana, Gesine, Hannah und Jessica auf der Rückbank und Eline und ich auf dem Beifahrersitz. Für 5 Cedi fuhr uns der Fahrer zum Vienna Beach Resort, neben dem wir uns ans Meer setzten und einfach eine Weile den leichten Nieselregen genossen, der auf uns niederprasselte, während die Wellen zu unseren Füßen schwappten.
Genau dort habe ich das Leckerste gegessen, was ich jemals in meinem Leben gegessen habe: einen Hamburger. Als wir zuvor aus dem Trotro ausgestiegen waren, gelangten wir ziemlich bald zu einem Verkaufsstand, an dem für den unglaublichen Preis von einem Cedi Hamburger verkauft wurden. Die Frau machte wahrscheinlich das Geschäft ihres Lebens mit uns und auf meine Frage hin, ob sie denn nicht mit uns nach Cape Coast kommen wollte, sagte sie, natürlich, wenn wir wollen, zieht sie zu uns und kocht für uns.
Der Hamburger war so unglaublich lecker, ich war völlig hin und weg. Das Brot, genau richtig, noch eine Scheibe Salat, den bekommen wir hier nie und dann hauchdünn Fleisch. Zuhause wäre das wohl nicht als richtiger Burger durchgegangen, in diesem Moment war es aber einfach ein Geschenk, das ich auf keinen Fall ablehnen konnte. Also ließ ich mir noch einen zweiten einpacken, denn ich anschließend an besagtem Strand genoss. Ein Traum!
Es war ein unglaubliches Gefühl und wir waren alle sehr zufrieden.Später gingen wir zurück in richtung Stadt, weil wir den Hafen besichtigen wollten. Wir konnten ihn schon sehen und versuchten einfach unser Glück, in ihn hineinzugelangen. Unterwegs trafen wir aber erst noch auf einen alten, stillgelegten Bahnhof. Auch ein schönes Fotomotiv. Wir streiften durch ein verlassenes Bahnhofsgebäude, schauten uns in aller Ruhe überall um, beobachten die LKW- Fahrer und liefen noch einige Zeit bis zum Hafen. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass wir zwar rein dürften, aber erst nach der Bezahlung einer Gebühr von einem Cedi, allerdings an einer Office, an der wir vor über einer halben Stunde vorbeigelaufen waren. Ein Taxifahrer witterte ein Geschäft und bot uns an, uns in die Stadt zu fahren. Mit einem Abstecher zum Harbour View. Diesmal nahmen wir zwei Taxen. Von einer Bar aus, als welche sich "Harbour View" herausstellte, genossen wir den unglaublichen Blick über den Hafen und die halbe Stadt, um dann weiter in die Stadt zu fahren, zurück zum Market Circle. Er zog uns erneut an wie ein Magnet. Wir schauten uns noch ein wenig um, ich auf der Suche nach einer Gitarre, die anderen auf der Suche nach schönen Stoffen. Irgendwann kamen wir an einem Dönerstand vorbei, den wir natürlich auf keinen Fall einfach so passieren konnten. Ich persönlich nahm keinen, denn ich hatte zuvor schon meinen dritten Burger gegessen, diesmal ein größeres Exemplar, sogar mit Gurken. Einfach lecker.

Als wir dort so standen, bemerkten wir durch das ständige Ankommen von Weißen in großen, neuen Geländewagen, mit Chauffeur, dass wir vor einem großen Supermarkt standen. Wir gingen also rein und ich denke, viele unserer Träume gingen in Erfüllung. Es gab Joghurt, eine Fleischtheke, Käse und ... Brot. Wir kauften also ein deutsches Schwarzbrot, dass wir abends mit einer Salami genießen wollten, die Gesine geschickt bekommen hatte.
In deisem Laden lernten wir auch Ali kennen, aus Frankfurt. Er lud uns zu sich nach Hause zum Grillen ein, was wir ausschlugen, weil wir eigenlich wieder nach Hause wollten. Wir redeten noch ein paar Minuten, bis er meinte, er nähme uns mit zu sich und sein Fahrer solle uns dann nachher einfach zur Trotro Station fahren. Also stiegen wir in seinen klimatisierten, schwarzen Mitsubishi Pajero, ich saß allein und entspannt in der letzten Sitzreihe im Kofferraum. Auf dem Weg zeigte er uns noch einige Dinge und erzählte von seiner Arbeit. Einer mittelständischen Schreinerei, die eine Firma hier in Ghana eröffnet hatte, um Häuser anzumieten und diese renoviert, auf deutschen, bzw. westlichen Standard bringt, um sie anschließend an wohlhabende Manager aus der Ölindustrie zu vermieten. So renoviert Ali ein Haus nach dem anderen, wohnt dort eine Weile, um dann ins nächste Haus weiterzuziehen. Er macht das schon seit zwei Jahren und so lange, wie das Geschäft läuft.
Und dieses scheint aufgrund besagter Ölfunde und mangels großer Konkurrenz zu boomen. Wir kamen also zu seinem momentanen Wohnsitz und waren einfach nur völlig fassungslos, als wir das Haus betraten. Klimatisiert, natürlich, mit Möbeln, Küche und kompletter Ausstattung aus Deutschland. Billard- Raum, Pokerecke, Bad und Küche auf höchstem Niveau. Zu vermieten an gut verdienende Manager für ca. 6500 Dollar im Monat, direkt in der Beach Road Takoradis. Wir genossen es, dort einfach zu sitzen, uns umzuschauen, ihm zuzuhören, eine Cola gesponsert zu bekommen und, das Bad benutzen zu dürfen. Er lud uns erneut zum Grillen ein und auch, jederzeit wieder vorbeizukommen, dort zu übernachten und zu wohnen, nächstes Jahr würde dann auch noch der Pool fertig werden. Wir verabschiedeten uns, noch immer völlig verstört und stiegen mit Charles, Alis Fahrer, in den Wagen, in dem Glauben, er würde uns zur Trotro Station fahren. Ali jedoch hatte ihn angewiesen, uns doch gleich nach Cape Coast zu fahren, sodass wir eineinhalb Stunden später, bei strömendem Regen vor unserer Haustür abgesetzt wurden.
Es war ein unglaublicher Tag, an dem wir eine ganz andere Seite des Lebens in Ghana kennengelernt hatten. Das Leben der reichen Weißen, ein Leben im Luxus, wo Geld eher eine kleine Rolle spielt, ein Leben in einer
Gated Community der Oberschicht. Abends waren wir trotz all der Annehmlichkeiten froh, wieder Zuhause zu sein, obwohl wir uns wahrscheinlich auch alle auf den nächsten Ausflug nach Takoradi freuen.

Der havarierte LKW



Ein T3, nicht so schön wie meiner, aber der bislang Schönste in Ghana

Der Burger meines Lebens

Der alte, stillgelegte Bahnhof von Takoradi

Ausrangierte Gleise und Waggons

Das Gebäude der Ghana Railways, auf dem Weg zu den Docks - noch immer in Betrieb


Charles, unser sehr freundlicher Fahrer


Sonntag traf ich mich dann noch mit meinem Schreiner Batista im Oasis Beach Resort und bestellte einen Schreibtisch, das Wochenende ließen wir im Solace Spot mit Reis, leckeren Bratwürstchen und Grillspießen und vor allem Alvaroe, dem besten Getränk von allen, ausklingen.

Montag wollte ich mich morgens mit ein paar Jungs aus meiner Schule zum Basketballspielen treffen, weshalb ich eine Stunde früher als sonst zur Schule kam. Allerdings vergebens. Ich hatte es schn befürchtet, aber das Beste gehofft. So war ich an diesem Tag der erste anwesende Lehrer und aufgrund einer Unterrichtsstunde am Nachmittag, nach der ich noch die Übungen korrigierte, auch der Letzte der ging. Batista hatte mich zuvor noch angerufen, dass er gleich heute meinen Tisch angefertigt hätte und mich direkt mit Tisch und Fahrer an meiner Schule abholen würde.Wie auch schon am Sonntag ließ er mich etwa eine Stunde warten, bis er mit einem Opel Astra Kombi vorbeikam. Den mit 15 Cedi berechneten und somit ziemlich teuren Transport genoss ich gemeinsam mit Batista auf dem Beifahrersitz. Ebenfalls sehr schön war die Farbe meines neuen Schreibtisches, den Batista nicht ganz so gebaut hatte, wie die Skizze, die ich ihm gegeben hatte, nämlich lila. Jawohl, ich habe nun endlich einen Tisch und er ist LILA, was aber in meinem Zimmer weniger schlimm wirkt als es klingt. Ich bezahlte 40 Cedi für das Material und gab Batista dann noch 15 fürs Bauen, viel mehr Geld hatte ich auch nicht mehr.

In dieser Nacht fing es an, sehr stark zu regnen und es kühlte spürbar ab, sodass wir feststellen mussten, dass es nun nicht mehr so anders war, als Zuhause in Deutschland: kalt und nass.
Es war natürlich nicht wirklich kalt, aber bei den normalen hiesigen Temperaturen wirkt der Regen so abkühlend, dass sich auch 25 Grad schon sehr kalt anfühlen und man mal eine Decke benutzt. Es war die erste Nacht hier im Ola House, die ich durchschlief, weil es einfach so angenehm kühl war. Morgens mussten wir natürlich auf unserem Fußmarsch durch den Matsch den Preis für diese angenehme Nacht bezahlen, aber das war es wert, vor allem, weil es den restlichen Dienstag kühl blieb. Und als ich dann noch etwas unterrichtete, etwas entspannte, abends den Tisch in mein Zimmer stellte und auch noch von Freddie eine günstige und schöne Fußmatte bekam, war ich einfach glücklich und zufrieden. Wie auch heute, obwohl es schon wieder wärmer war und ich nicht unterrichten konnte.

"Alltag in Afrika"


Allmählich geht der Oktober schon wieder seinem Ende entgegen und so langsam kommen wir, denke ich, auch im afrikanischen Alltag an.

Und nachdem ich nun einige Zeit Lehrern hinterhergelaufen war, um ihren Unterricht zu beobachten, ohne besonders viel selbst unterrichtet zu haben, beschloss ich, das Ganze nun anders anzugehen.
Also entschied ich mich letzte Woche dafür, einfach morgens in die Schule zu kommen und mich direkt zu Mr.Noel und Mr.Dadzie zu gesellen. Sie sitzen die meiste Zeit draußen, neben dem Staff Room auf dem Gang, mit Blick aufs Meer. Vor ihnen stehen kleine Tische, auf denen sie ihre Bücher, Hefte und alles, was man eben so anschleppt, platzieren, gegebenenfalls auch das Mittagessen, oder im Falle des Mr.Dadzie: seine vier verschiedenen Handys.
So saß ich die ganze Woche, von Montag bis Donnerstag mit den beiden am Meer und entspannte ein wenig. Vor allem habe ich mich aber viel mit Mr.Noel und Mr.Dadzie unterhalten. Über Deutschland und wie das Wetter und der Winter dort so sind, über Ghana, das Zulassungssystem für Autos, wie Lehrer so leben, wer wie viel Steuern zahlt, über Fußball natürlich, über ihre Familien, über meine zukünftige Arbeit, über eigentlich so ziemlich alles. Ich habe viel über Land und Leute gelernt und zwischendurch fand ich noch Zeit ein halbes Skizzenbuch vollzuzeichnen. Schön war auch immer das gemeinsame Essen. Fast jeden Tag lässt sich Mr.Dadzie Ken Ke bringen und wir drei und Mr.Ampah essen gemeinsam draußen, an einem kleinen Tisch. Ken Ke ist eine Art Maisbrei, den man mit den Fingern aus den Maisblättern heraus isst (vorsicht, heiß).
Man knetet die Masse ein wenig und tunkt sie dann in Pfeffersoße. Dazu isst man gebratenen Fisch, ganz, versteht sich. Das habe ich inzwischen auch schon versucht. Man fängt einfach beim Schwanz an, isst, kümmert sich nicht um irgendwelche Gräten, bis man am Kopf angelangt ist und dann durch...Aber ich muss auch nicht unbedingt immer den ganzen Fisch oder die ganze Garnele essen, das wird zum Glück auch nicht von mir erwartet. Eher heißt es dann "The head is for the Africans".
Ebenfalls gefallen fand ich an Issac, einem ehemaligen Lehrer der PQBS, der vorbeikam, weil er gehört hatte, dass dort ein Deutscher weilt. Er hat sich vor kurzem einen weinroten 2000er VW Passat aus Deutschland schicken lassen und hat, verständlicherweise, Probleme, das deutsche Handbuch zu lesen.
Also nahm ich mir Zeit, ihm das gesamte Auto zu erklären, die Betriebsanleitung zu übersetzen und ihm alles zu sagen, was ich für wichtig hielt, oder was er wissen wollte. Vor allem, was die verschiedenen Warnleuchten zu bedeuten haben. Schließlich musste ich ihm noch erklären, dass er weder Nebelschlussleuchte noch Heckscheibenheizung brauchen würde, wir in Deutschland hingegen schon. Er hat, meiner Meinung nach, einen guten Kauf gemacht, Cockpit, Motorraum und sogar der Lack sehen sehr gut aus und ich hoffe,
der Wagen hält nun auch durch. Ich bin nun auf jeden Fall sein Mann für alle Fragen zu diesem Fahrzeug und er freut sich immer sehr, wenn er mich sieht.
Neben Einweisungen in deutsche Autos fand ich diese Woche noch manche andere Tätigkeit, zum Beispiel Lehrer beim Umgang mit Microsoft Word zu betreuen oder, besonders interessant,
einen Shop zu streichen. Als ich auf dem Heimweg bei Gideon und Elizabeth, zwei Jugendlichen in unserer Nachbarschaft, vorbeiging, fragten sie mich, ob ich ihnen helfen könnte, weil sie nicht so groß sind. Es hat mir wirklich sehr Spaß gemacht, den beiden zu helfen, zudem ist es sehr schön, mit den Menschen hier mal einfach so in Kontakt zu kommen, ohne, dass irgendjemand einem was verkaufen oder "best friend" sein will. Jana und ich haben den beiden dann noch etwas Deutsch und Französisch beigebracht und sind erst nach über einer Stunde wieder heimgegangen. Besonders schön bei diesen kleinen Hilfestellungen, sei es das Streichen des Shops oder das Erklären der Funktionen des Bordcomputers eines VW Passat,
war das Gefühl, mal gebraucht zu werden, nützlich zu sein und etwas zu tun, bei dem man Ergebnisse sieht.
In der Schule ging es derweil wie gewohnt weiter. Donnerstag, als ich gerade die Schule verlassen wollte, fragte mich Mr.Noel dann:

"Are you going home? Without teaching today? Let me call Angela Merkel..." in diesem Moment holt er sein Handy aus der Hemdtasche, hält es ans Ohr und fährt fort:
"Hello Angie? Yeah, going home...no, not doing anything...just sitting around..."

Mit einem Lachen beendete er das "Telefonat" und ich ging Heim, ohne am nächsten Tag etwas an meinem Ablauf zu ändern.
Freitag jedoch sollte alles anders kommen. Nach der Assembly kamen verschiedene Schüler zu mir und meinten, sie hätten Englisch, aber es wäre kein Lehrer da. Nach einer Runde im Staff Room stellte ich fest, dass weder Madam Cynthia noch Madam Monney anwesend war und ging in die Klasse. Beziehungsweise Klassen. Denn es hatten form 3 ( 9.Klasse) und form 1A (7.Klasse) gleichzeitig Englischunterricht. Also pendelte ich immer alle paar Minuten zwischen zwei Gebäuden hin und her, immer auf der Suche nach Büchern, Heften, Anweisungen gebend und diese nochmal an die Tafel schreibend. Im Anschluss ging es gleich weiter mit form 2B, der eindeutig schlechtesten Klasse der Schule. Die Schüler sind großteils schon sehr alt (angebich ist der Älteste 24 und 18 ist keine Seltenheit, wohlgemerkt in der 8.Klasse) und verstehen nicht viel, von dem, was wir zusammen lesen. Aber auch nach dieser sehr anstrengenden Doppelstunde (der Unterricht wird immer in Doppelstunden gehalten) war noch keine Pause in Sicht, es ging sofort mit form 2A und 1B weiter. Wieder parallel. Es lief inzwischen besser, aber an irgendetwas fehlt es immer, oder ich muss
sehr laut werden, um Ruhe in die Klasse zu bringen.

So fand die Woche ein Ende, das sich sehen lassen konnte. In 5 Stunden hatte ich 5 Klassen unterrichtet. 
Das sollte mir erst einmal ein ghanaischer Lehrer nachmachen.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

"Sightseeing"

Oktober.

Wir starten eher konventionell in den neuen Monat, nämlich mit einem sehr touristischen Besuch in den Kakum National Park.
Dafür bestellen wir den Fahrer, der uns auch vom Flughafen in Accra nach Hause gefahren hat. Morgens um halb sieben soll er
zuerst zu uns kommen. Viertel nach sieben kommt er. Danach holen wir die andere WG in Nkanfoa ab, um schließlich noch bei Emma
vorbeizufahren, um den Rest abzuholen, Till und Jessica aus Eguafo inbegriffen.
Wir passen ganz genau in unseren bereits bekannten Ford Club Van, der über 14 sehr bequeme Sitze verfügt. Allein die Klimaanlage ist
etwas kalt, was man besonders beim Aussteigen merkt.
Ich weiß nicht genau, wie lange wir gefahren sind, aber wahrscheinlich so zwischen 30 und 45 Minuten, je nachdem, ab welchem Haus man
rechnet. Jedenfalls dauerte es nicht lange, da waren wir auch schon vor den Toren von Kakum. Vor den Toren. Um hindurchfahren zu dürfen,
mussten wir eine "gate fee" von einem Cedi pro Person bezahlen.
Was ich mit "touristisch" gemeint habe, betrifft nicht nur die Fahrt mit dem gemieteten Van, der uns übrigens 150 Cedi pro Tag kostet,
sondern vor allem die Ankunft im Park. Als versammelte Truppe von Rucksackträgern machen wir erst einmal ein Gruppenfoto vor dem Eingangbereich.
Anschließend eine neue Erfahrung: Mehr weiße Menschen als Farbige. Der Anblick überrascht definitiv. Oder auch nicht, natürlich konnte man
damit rechnen, dass es so kommen würde, aber in unserem Alltag sind wir meistens die einzigen Weißen in unserem Umfeld.
Nach diesem "Schock" eine weitere Erfahrung, die man in Deutschland nicht machen würde: Der Eintritt für Einheimische beträgt 1,80,
für uns sind es 15 Cedi - wobei das nur halb so viel ist wie der Normalpreis, da wir als Freiwillige immerhin Ermäßigung bekommen.
Für diesen Preis sieht man auch nicht allzu viel vom Park. Wir konnten wählen zwischen dem Canopy Walkway für 15 und dem Nature Walk für
7,5 Cedi. Natürlich hätten wir auch beides machen können, so viel Geld auf einmal wollten wir dann aber auch nicht ausgeben, schließlich
hatten wir schon den Van gemietet.
Wir entschieden uns todesmütig für den Canopy Walkway, einem Rundgang durch einen Teil des Parks auf einer 15- 40m hohen Hängeseilbrücke.
Aber von vorn. Zusammen mit ein paar anderen Freiwilligen aus Deutschland und Holland, ein paar Leuten aus Schottland und deren
Projektkoordinatoren aus der Voltaregion, sowie George, unserem Führer, liefen wir erst ein paar Minuten durch den Regenwald, während er uns
ein bisschen was zur Geschichte und ein paar Daten und Fakten erzählte. Nur so viel: Kakum ist einer der kleinen Parks in Ghana, hat aber
auch schon 360 km² und den Canopy Walkway haben zwei Kanadier geplant und gebaut. Er sieht in etwa so aus, dass zwischen den ziemlich
hohen Bäumen des Regenwaldes Seile gespannt wurden, die insgesamt sechs Plattformen verbinden (Holzgerüste an den Bäumen, auf denen man
kurz pausieren kann oder muss, bis es wieder weiter geht). Man läuft also über diese Hängebrücken, die komplett aus - teilweise etwas modrig
aussehenden - Seilen bestehen. Auf den Seilen liegen schmale Holzplanken, aber diese liegen nur auf. Auch das "Geländer" besteht aus
Seilen. Für Menschen mit Höhenangst ist das definitiv ein Extremfall, da man zu allen Seiten, auch zum "Boden" hin, durchschauen kann.
Zudem schwankt es doch ziemlich, sodass man sich manchmal festhalten muss. So mancher war etwas besorgt, ich persönlich habe mich riesig
gefreut und hatte sehr viel Spaß, auch wenn es am Ende natürlich viel zu schnell vorbeiging.

Und da es noch immer ziemlich früh am Tag war, fuhren wir auf dem Rückweg noch beim Hans Cottage vorbei, einer kleinen Krokodilszucht.
Wobei sich "klein" eher auf die Größe der Krokodile (etwa zwei Meter Länge), als deren Anzahl bezieht, denn es waren 35, die sich da
in dem Tümpel tummelten. Viele bekamen wir leider nicht zu sehen, da es zu kalt war, wie man uns sagte. Außerdem nieselte es.
Es lief ungefähr so ab, dass ein Mann pfeiffend Fleisch an einem Stock durchs Wasser zog, bis sich ein Krokodil ans Ufer bewegte.
Der weitere Plan wäre gewesen, dass das entsprechende Krokodil aus dem Wasser rauskommt, sodass man es anfassen kann!
Daraus wurde leider nichts, aber vielleicht beim nächsten Mal, wenn sich ein Freiwilliger finden sollte.

Das restliche Wochenende verbrachten wir Zuhause oder auf dem Kotokuraba Market, der wirklich sehenswert ist.
Man läuft auf ziemlich unbefestigtem Grund zwischen kleinen, engen Holzhütten, in denen es Tomaten, Yam, alles mögliche an Obst und
Gemüse, Dosen und Nudeln, Haushaltswaren und allerlei Sachen gibt, die einem beim Vorbeiquetschen durch die engen Gassen, angepriesen
werden. Das Ganze spielt sich völlig im Hintergrund, der Straße abgewandt, ab und man braucht eine Weile, bis man den Weg aus diesem
Labyrinth von Hütten und Menschen und Ware und Staub wieder herausfindet.

Die neue Woche begann dann für mich ziemlich erfreulich. Ich durfte unterrichten. Genauer gesagt, hatte ich bereits einmal eine Stunde
English Grammar bei der Klasse 1B gegeben (das entspricht der siebten Klasse bei uns), aber diesmal durfte ich drei Stunden am Stück
unterrichten (Zeitstunden). Zwar völlig unvorbereitet, aber immerhin das Fach, das ich wollte: English Comprehension. In form 2B
(achte Klasse). Also habe ich die Klasse einen Text in verschiedenen Rollen lesen lassen. Anschließend habe ich dann noch einmal
andere Kinder den Text vorspielen lassen, um zu den Fragen überzugehen, die eigentlich schon einmal als Hausaufgabe gegeben wurden.
Es funktionierte aber eher schleppend, sodass ich mir etwas Autorität verschaffen musste, indem ich mit dem Cane (Rohrstock)
einmal kräftig auf den Tisch schulg. Damit hatten sie nicht gerechnet. Danach musste ich zwar noch öfters lauter werden,
aber es ging ganz gut. Die letzte Stunde beendete ich mit einem Diktat, was, wie ich beim Korrigieren merkte, nicht nur nicht gut,
sondern gar nicht funktionierte. Bei fünf Sätzen, die wir zuvor mehrmals gelesen hatten, waren 10- 20 Fehler eher normal, als Ausnahme.
Wenn ich später einmal feste Lehrzeiten habe, werde ich auf jeden Fall öfters ein Diktat machen, denn es gibt viel zu tun.

Die weitere Woche verlief gut und weitestgehend normal, mal mit Strom, mal ohne, mal mit Wasser, mal ohne, nur Dienstag hatte ich schon
früh Feierabend, da am nächsten Tag World Teacher Day war. Warum genau aber am Tag vorher früher Schluss war, das bleibt mir vorerst
ein Geheimnis. Wie so vieles in Ghana, auch wenn sich immer wieder so Manches lüftet...

Unsere versammelte Truppe vor dem Eingang Kakums

George, unser Führer

Der Canopy Walkway





Wie man Krokodile anlockt...


Samstag, 1. Oktober 2011

"Health Check at Central Regional Hospital"

Egal welchen Titel ich für diesen Eintrag gewählt hätte, er hätte nicht alle Geschehnisse vereinen
können. Vielleicht wäre es klüger gewesen, mal kürzere Posts hochzuladen, aber, wie gesagt, es gab
viel zu tun...

Zunächst schien vor allem meine Pechsträhne weiter anzuhalten. Glücklich, dass nun endlich meine
MTN sim card zu funktionieren schien, steckte ich morgens mein Handy in die Tasche. Als ich aber
an meiner gewohnten Haltestelle "Aquarium" mit Hannah aus dem Taxi stieg und mein Wechselgeld
in meine Hosentasche gleiten ließ, bemerkte ich, dass da doch etwas fehlte. Ich drehte mich um,
aber das Taxi war bereits losgefahren und aufgrund dahinter fahrender Taxen konnte ich das Kennzeichen
nicht sehen.
Von Hannahs Handy aus versuchten wir meins zu erreichen, aber der Fahrer hatte es wohl sofort bemerkt
und war offensichtlich nicht von der netteren Sorte, denn er hatte es unmittelbar abgeschaltet.
So wartete ich noch eine halbe Stunde, ob er denn nicht vielleicht doch wiederkommen würde und ging
dann zur Schule, wo ich einem Lehrer von meinem Missgeschick und meiner daraus resultierenden
Verspätung berichtete.
Seine Reaktion überraschte mich. Anscheinend ist ein Handyverlust hier weniger selbstverschuldet
anzusehen, sondern wird sogleich als Diebstahl gewertet, denn ein freundlicher Taxifahrer hätte es
einem relativ zügig zurückgegeben.
So fuhr ich mit Mr.Ampah und Mr.Noel zurück zum Aquarium und wartete dort eine Weile mit Mr.Ampah.
Von dort aus fuhren wir mit einem Taxi in die Innenstadt, nach Kotokuraba. Das ist einer der Knotenpunkte
der Stadt, an dem viele der Fahrer vorbei müssen. Also redeten wir mit vielen Fahrern und City Guides,
Männern in weißen Hemden und roten Hosen, die alle hundert Meter stehen und die Fahrzeuge überwachen.
Wir warteten auch wieder eine Zeit lang, bis wir die Straße hinuntergingen, in Richtung Market, immer
suchend, immer aufmerksam. Wir redeten noch mit einigen Leuten und City Guides, denen wir immer alle
vorhandenen Informationen hinterließen. Nämlich dass ich, morgens um 07:45 am Aquarium, einen Moment
lang unaufmerksam gewesen und mein Handy aus meiner Tasche gerutscht war. Immer gaben wir eine
Personenbeschreibung ab: junger Mann mit kurzen Haaren und rundem Gesicht, rotem Poloshirt und kurzer
Hose in einem schwarz- gelben Opel Astra Caravan. Mr.Ampah gab all diesen Leuten seine Handynummer,
für den Fall, dass der Fahrer gefasst würde und wir zogen weiter, jeder Taxistation in der Innenstadt
von Cape Coast einen Besuch abstattend.
Leider hatten wir keinen Erfolg. Auf dem Rückweg zu Schule ging ich noch zu einem Forex Bureau, um
meine 20 Dollar zu wechseln, da ich ja aufgrund des Verlusts meiner Kreditkarte durch die Barclay´s
Bank auch an kein Geld mehr kam. Aber auch das wurde mir verwehrt. Warum der Herr am Tresen meinen
Schein nicht wechseln wollte, verstand ich zwar nicht, ich war aber inzwischen nicht mehr motiviert
genug, weiter nachzufragen.
Nach einem folglich eher kurzen Schultag holte mich Freddie mit seinem Fahrschulauto ab und fuhr mit
mir erneut in die Stadt, um nach meinem Handy zu suchen. Mittlerweile war ich gemeinhin bekannt.
Schließlich nahmen wir einen Umweg über die Ortsteile Kotokuraba, Pedu und Abra nach North Ola, nicht
ohne sämtliche Taxisammelpunkte der Umgebung abzugrasen. Erneut ohne Erfolg.
Aber man sieht sich immer zweimal im Leben...

Auch sonst verliefen die folgenden Tage eher unbefriedigend. In der Schule saß ich die meiste Zeit
nur mehr oder weniger tatenlos herum, ohne dass mir irgendjemand sagen konnte, was es für mich
zu tun gab. Mein Magen rebellierte zunehmends gegen das Essen, vor allem das aus der kleinen Hütte
in meiner Schule, was mir mehrere eher anstrengende Nächte bereitete.
Und Petterson, eine von unseren kleinen Katzen ist gestorben, sodass Findus nun ein Vollwaise ist.
Aber genug davon. Die ersten Tage hier in Ghana waren natürlich einerseits faszinierend,
andererseits durch all die Umstellung und den sehr schnellen Einstieg in den Alltag aber auch
unglaublich anstrengend und kraftraubend.

Den schnellsten Einstieg in den Alltag hatte jedoch Alexandra, die nun als letzte Freiwillige von VIA
zu uns gestoßen ist und bei Emma im Haus wohnt.
Am letzten Wochenende haben wir sie gleich mit an den Strand genommen. Aber nicht den Strand hier bei
uns, sondern in der Stadt, in der Nähe des Castles. Den Strand vor dem Oasis Beach Resort, einem
Hotel mit Beach Club, das Ali (einem "Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund") gehört. Er hat
das Oasis vor etwas zehn Jahren eröffnet und zieht vor allem viele Touristen und uns Freiwillige an.
So haben wir uns an diesem Tag mal etwas gegönnt und sind dort eingekehrt. Für zehn Cedi bekommt man
einen echt leckeren Burger mit Pommes und auch sonst gibts es allerlei Leckereien, wie z.B. Pizza.
Natürlich ist es im Vergleich mit den Lebenskosten hier teuer, aber wir hatten es nötig.
Davor allerdings waren wir am Strand und in Meer, wobei wir nicht weit über den Strand hinausgekommen
sind, da das Meer vor dem Oasis sehr rau ist. Die Wellen sind meistens um die zwei Meter hoch,
gerne auch mal etwas höher und wenn man mal kurz nicht aufpasst, selbst wenn man nur hüfttief im
Wasser ist, so nimmt einen die eine oder andere Welle gerne einfach mal mit, ohne dass man sich
wehren könnte. Die Wellen treffen einen tatsächlich mit ziemlicher Wucht, sodass man unter Wasser
nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist, bis man mit einem Arm oder Bein auf einmal den Boden
berührt und einen die Welle wieder ausspuckt und an den Strand spült wie ein Stück Treibholz.
Auch der Sog der Wellen ist stark und zieht einem manchmal die Füße weg, wenn man nicht aufpasst.

Aber eigentlich hatte ich ja davon erzählt, dass wir viel zu tun haben, nicht, dass wir ständig am
Strand faulenzen. So rief und an einem Abend Emma an, wir sollten alle unsere Dokumente einpacken,
denn am nächsten Tag würde sie uns abholen und wir müssten ins Krankenhaus, zum Health Check, wegen
des Arbeitsvisums.
Am nächsten Tag also waren wir in der Schule und ich wartete darauf, dass etwas passierte, obwohl
ich mir schon am Abend vorher sicher gewesen war, dass wir wohl so schnell nicht im Krankenhaus
landen würden. Als ich gerade heimgehen wollte, kamen Theresa und Helen vorbei, um mich abzuholen.
Emma hatte angerufen, wir sollten ins Krankenhaus kommen.
Nun gibt es hier in Cape Coast mehrere Krankenhäuser, doch glücklicherweise war ich mit Freddie
bereits einmal am Regional Hospital in Abra vorbeigefahren, zu dem wir nun kommen sollten.
Wir stiegen also in ein Taxi und trafen die anderen vor dem Krankenhaus, als es gerade heftig zu
regnen anfing. Versammelt warteten wir, bis eine Freundin von Emma, die im Krankenhaus arbeitet,
mich und Nicolai zu sich rief. Wir sollten als erste dran sein. Zuerst waren wir bei einem Arzt,
der unseren Blutdruck ermittelte und unseren Puls. Er nahm unsere Daten auf und checkte unsere Augen,
wenn auch der Augentest eher, naja, uneffektiv und nicht besonders aussagekräftig war. Das ganze
Procedere dauerte nur fünf Minuten, danach hieß es wieder warten. Nicolai und ich kamen dann zu zweit
zu einem relativ jungen Doktor, der nun Blut von uns nehmen sollte. Allmählich wurden wir dann doch
etwas nervöser. Es sind diese Schauerbilder, die man sich zuvor aussmalt und man fragt sich dann doch
einen Moment lang, wie das wohl so sein mag, mit den Spritzen hier...
Der Raum wirkte auch nicht besonders einladend und war keineswegs zu vergleichen mit der Praxis
eines deutschen Arztes. Die Stühle, oder Hocker, waren ziemlich abgenutzt, wie auch der Boden und der
Tisch. Sonst war das Zimmer ziemlich leer. Auf dem Tisch lagen ein paar verpackte Spritzen und viele
sterile Kanülen. Aufatmen.
Was man noch aber sagen muss: bei kaum einem Arzt in Deutschland wir man so sorgfältig und mit einer
solchen Ruhe Blut abgenommen kriegen. Es war also alles halb so wild und ging auch ganz schnell.
Nur wurde dann alles 14 mal gemacht und so verbrachten wir dann den ganzen Nachmittag, ca. drei Stunden
im Krankenhaus, bis wir alle fertig waren.

Bleibt noch zu hoffen, dass das mit unserem Arbeitsvisum auch möglichst schnell und reibungsfrei klappt.

So geht der erste Monat zu Ende, auch wenn es noch kein ganzer Monat war. Bereits mit einigen Hochs
und Tiefs, mit einigen Erfahrungen und Erlebnissen. Mein erstes Fazit bleibt kritisch, aber mit einer
Tendenz nach oben, um es diplomatisch auszudrücken.

Mittwoch, 21. September 2011

"Wo Licht ist, da ist auch Schatten"

Noch so kurz nach meiner Ankuft schien das Leben in Afrika eher problemlos zu verlaufen,
doch direkt nach meinem ersten Blogeintrag sollte sich so einiges ändern.
Es ist nicht so, dass es mir schlecht ginge, aber es ergaben sich so manche Umstände...

Es war ja auch zu einfach gewesen, hier, an meinem ersten Morgen. Ich ging unter die Dusche und
- ja, sie funktionierte! Kalt zwar, aber das stört bei diesem Klima - meiner Meinung nach - nicht.
Inzwischen haben wir seit drei Tagen kein fließendes Wasser mehr und es wird sicher auch noch eine
Weile dauern, so habe ich das Gefühl, bis wir wieder diesen Luxus genießen können und ja, es ist
definitv Luxus, Till und Jessica in Eguafo leben in viel einfacheren Verhältnissen.
Fließendes Wasser kann man ja durch das (ständige) Tragen von Wassereimern ersetzen, aber wie ersetzt
man Wasser, wenn man gar keines mehr hat? Das war bislang erst für ein paar Stunden der Fall.
Von vorne: Wir wissen nicht warum es kein fließendes Wasser mehr gibt, aber wir haben immerhin einen
sehr großen Wassertank hinter unserem Haus, den ich auf mindestens 1000 bis 1500l schätze. Dieser
speichert das Wasser, sobald welches fließt und wenn er voll ist, so glaube ich das System verstanden
zu haben, dann haben auch wir wieder fließendes Wasser.
Allerdings wird auch dieser Tank, was wir zunächst nicht dachten, möglicherweise irgendwann leer
werden. Und "irgendwann" scheint näher zu rücken. Zumindest war er vor drei Tagen noch doppelt so
voll. Es wird einem, wenn man ständig Wasser verbraucht und dieses in Eimern trägt, erst wirklich
gewahr, wie viel man verbraucht. Und wir vier sind ja nicht die einzigen Menschen in dieser Gegend.
Freddie, unser Landlord, hat den Tank zwar abgeschlossen, aber natürlich hätten all die Nachbarn und
natürlich auch deren Nachbarn ebenso gerne Wasser zum Waschen, Spülen, Kochen, Trinken, Klospülen und
Duschen und vielem mehr. Wir werden sehen, wie lange der Tank noch reichen wird und, was wir machen
werden, falls er tatsächlich leer werden sollte.

Zudem fiel dann noch der Strom aus. Nicht einfach so, das passiert hier manchmal. Nein, aus völlig
unersichtlichem Grund. Wir müssen unseren Strom kaufen. Dazu nutzen wir eine Karte in
Kreditkartengröße vom hiesigen Stromanbieter, die wir an der nächsten Tankstelle für mindestens
20 Cedi aufladen müssen. Dann stecken wir sie in einen digitalen Zähler am Haus und - haben Strom.
Dabei fallen jedes Mal noch 6 Cedi Gebühr an. Nun aber war die Karte plötzlich "leer" und wir mussten
sie erneut aufladen, was ein paar Tage gedauert hat, da die Tankstelle nicht direkt auf unserem
Arbeits- oder Einkaufsweg liegt. Es bleibt zu erwarten, wie lange wir noch Strom haben, sollte sie
wieder nur so kurz halten, werden wir uns wohl mit unserer Projektkoordinatiorin Emma in Verbindung
setzen müssen.

Etwas schade ist auch, dass ich immer noch nicht telefonieren kann, da meine MTN Karte nicht
funktioniert. Aber das ist nicht weiter schlimm. Ärgerlicher ist vielmehr, dass letzten Donnerstag,
als ich bei Barclays versuchte Geld abzuheben, der Automat meine Kreditkarte eingezogen hat.
So wartete ich über eine Stunde, in der man mir immer wieder erzählte, man würde an der Maschine
arbeiten. Allerdings vergeblich. Nach zirka 30 Minuten war der Geldautomat wieder funktionsfähig,
meine Karte bekam ich allerdings nicht wieder. Ich konnte auch nicht weiter danach fragen, da zwar
noch Leute in die Bank reingingen, die eigentlich schon geschlossen hatte und mit Gittern
"verriegelt" war, ich aber durch zwei eher ruppige Mitarbeiter des Security Services vom Eintreten
gehindert wurde. So entschloss ich, wie empfohlen, am nächsten Tag nach der Arbeit wiederzukommen.

Freitag

Barclays. Die Bank ist klimatisiert und zum Bersten gefüllt mit Menschen, die warten.
Zuerst will ich zu dem Mitarbeiter, mit dem ich bereits Tags zuvor geredet hatte, allerdings rauscht
dieser nur an mir vorbei. Dann schickt mich eine andere Mitarbeiterin der Bank zu einem bestimmten
Schalter, an dem ich eine Weile warte. Nach deutlich über einer Stunde komme ich dran und erkläre
dem Mann die Situation. Er hackt eine Weile auf seiner Tastatur herum, telefoniert, spricht mit einem
Kollegen. Das finde ich schon besser als noch am Donnerstag, als plötzlich eine Bankangestellte zu
mir kommt, mir meine Geschichte mit dem Automaten nicht abnimmt und einfach nur mit "you have thrown
it away!" verschwindet.
Dann holt der Bankangestellte ein Buch hervor, in dem all die Kreditkarten eingetragen sind, die in
letzter Zeit eingezogen wurden. Ich schöpfe Hoffnung.
Leider steht mein Name nicht in besagtem Buch und trotz meiner vorherigen Aussage, ich würde diese
Bank nicht ohne meine Karte verlassen, gehe ich, um nun am Montag gestärkt zurückzukehren. Notfalls
mit Unterstützung von Emma oder Freddie.
Im Internet habe ich meinen Kontostand abgefragt, der unverändert geblieben ist. Immerhin. Allerdings
hilft einem das Geld im Internet nicht weiter, wenn man nur noch 1,35 Cedi in der Tasche hat.
Aber das sollte für eine Taxifahrt in die Stadt - und damit zur Bank - reichen.

Freitagabend haben uns dann alle anderen Freiwilligen besucht: Nicolai, Miriam, Silja und Julia, die
in einer WG leben, Helen, Theresa und Deborah, die bei Emma wohnen und Till und Jessica sind aus
Eguafo angereist, mit Judith im Schlepptau, einer weiteren Freiwilligen.

Ein weiteres Ereignis war Maria, eine VIA- Freiwillige von vor zwei Jahren, die zur Zeit einen Monat
lang Ghana durchreist, um alte Bekannte zu besuchen.

Samstag

Mittags sind wir alle zusammen an den nächsten Strand gegangen (15min zu Fuß), haben dort unser Lager
aufgeschlagen und sind in die Wellen gesprungen. Die Wellen hier sind schon relativ groß und besonders
gefährlich ist der Untersog, der nahe dem Ufer entsteht und einen leicht aufs Meer hinauszieht.
Aber wir hatten zwei Rettungsschwimmerinnen dabei, also bestand ja kein Grund zur Sorge ;)

Als wir dann so den Strand entlangliefen, sahen wir ein größeres Fischerboot. welches von etwa
20 Männern mit zwei Täuen aufs Land gezogen wurde. Es stand noch parallel zum Meer und so bewegte es
sich kaum. Till und ich gingen auf die Männer zu und wurden dann auch herbeigewunken, um ihnen zu
helfen. So verbrachten wir etwa eine halbe Stunde damit, das Boot zu drehen, zu pausieren und dabei
zu singen und zu klatschen, weiter zu ziehen, zu pausieren und zu singen und erneut zu ziehen.
Unsere Hände dankten es uns nicht gerade, im Gegensatz zu den Männern. Leider trat ich dabei in
irgendetwas spitzes, weshalb ich nun seit zwei Tagen eher schlecht laufe.
Dabei hatte ich mir erst Donnerstag den Kopf ziemlich stark an einer Säule in meiner Schule angehauen.
Aber ein Unglück kommt selten allein. Und alles in allem geht es uns ziemlich gut.

Abends haben wir dann (ohne Strom) in Hannahs Geburtstag reingefeiert. Das Kerzenlicht war völlig
ausreichend, außerdem haben wir alle wind- up Taschenlampen. Der Höhepunkt des Abends war eindeutig
die Schwarzwälder Kirschtorte (aus der Dose), die Hannahs Eltern ihr eingepackt hatten.
Noch nie haben ich einen solchen Ansturm auf Krümel und Puderzucker erlebt. Mal abgesehen von
unseren zwei kleinen Katzen (ca. 2- 3 Wochen alt) hier im Haus, die sich sofort auf alles stürzen,
was dem Boden nahe kommt.
Während Hannah ihren restlichen Geburtstag am Meer verbrachte und ich eine Zeichenarbeit für Emma
erledigte, haben Jana und Gesine das Haus geputzt, unsere Stromkarte geladen und...nach dem Abendessen
ging dann auf einmal auch das Wasser wieder an!

So rannten wir alle jubelnd durch das Haus und haben uns sofort die hände gewaschen und waren einfach
begeistert. Es war ein schönes Gefühl. Und es blieb nicht lange. Noch während die Spüle volllief,
wurde das Wasser plötzlich immer gelber. Wäre es bei Gelb geblieben, hätten wir vielleicht sogar noch
weitergespült, jedoch wurde es dann immer dunkler, bis es schließlich einfach schwarz aus allen
Hähnen kam. Schwarz wie Öl.

Man darf gespannt sein, was die nächste Woche bringt.

"Flug 1638 nach Istanbul: Unholzer, Gross, Weiß, bitte sofort zum Gate kommen!"

Unsere Reise beginnt früh morgens und sie entwickelt schon sehr früh sehr viel Spannung.

München, Montag, der 12. September 2011:

nach einer Übernachtung und einem Frühstück im Holiday Inn
fahren wir (Helen, ihre Mutter, Ich und meine Mutter) zum Flughafen. Und wir fahren, mancher in Panik,
etwa eine hlabe Stunde, von 05:00 bis 05:30 dreimal um den Flughafen herum, da die Beschilderung eher
verwirrend ist und wir verschiedene Informationen bekommen hatten, was die Terminals angeht.

Endlich angekommen erklärt uns die Dame von Turkish Airlines, wir könnten ab 06:50 "rein",
weshalb wir uns uns reichlich Zeit zum Verabschieden nehmen, um pünktlich um 06:50
die Personenkontrolle vor Gate H30 zu passieren. Wir sind gerade auf dem Weg zum Gate,
als die Durchsage erklingt:
"Flug 1638 nach Istanbul: Unholzer, Gross, Weiß, bitte sofort zum Gate kommen!"
Etwas erschrocken eilen wir zu unserem Gate, völlig ahnungslos, was passiert war.
Am Gate, welches wir menschenleer antreffen, steht erneut besagte Dame und blafft uns an:
"Ab 06:50 war Einstieg." Also steigen wir, als letzte Passagiere in die Boeing ... nach Istanbul.

Der Flug verläuft gut, Theresa, Helen und ich sitzen nebeneinander und auch das Frühstück an Bord ist
gut, oder zumindest besser als alles, was mir Air Berlin, British Airways oder Ryanair bislang geboten
haben.

Pünktlich landen wir in Istanbul, genießen die Sonne beim Ausstieg aus dem Flugzeug und ziehen uns in
eine ruhige Ecke im oberen Stockwerk des Gebäudes zurück. Dort loggen wir uns in das ungesicherte
Drahtlosnetzwerk  von Prime Class ein, einer First Class Lounge.
Dann treffen wir Nicolai, der allein von Frankfurt aus gekommen war und steigen gemeinsam ,zu viert,
um 14:20 in Flug 623 von Gate 219 nach Accra. Mit Zwischenstopp in Lagos, Nigeria.
Unser Airbus A330-200 jedoch verweilt noch über eine Stunde am Boden. Warum erfahren wir nicht.
Das könnte allerdings an unserem eher schwachen Türkisch liegen.
Auch unser zweiter Flug verläuft gut, wenn er auch lange dauert und wir nicht alles verstanden haben.
Z.B. wurden, am hellichten Tag, einfach die Lichter ausgeschaltet und die Fenster geschlossen:
Schlafenszeit. Wir waren zwar müde, hätten unsere Route aber auch gerne noch über die Grenze
Bulgariens hinaus, über Libyen und Niger, verfolgt. So wurden die Fenster erst zum Sonnenuntergang,
den wir über der Grenze nach Nigeria genossen, wieder geöffnet. Der Anblick war zwar kurz, aber
wirklich wundervoll.

Auf diesem Flug knüpfe ich auch erste Kontakte. Jeremie, aus Accra, unterhält mich prächtig
- zudem hat er in den USA studiert und spricht ein sehr gutes Englisch.
Er hat uns sogar direkt eingeladen, die Nacht bei ihm zu verbringen und sehr gerne möchte er uns
besuchen kommen.

Bei unserem Zwischenstopp in Lagos verspäten wir uns erneut, zudem steigen fast alle Fluggäste aus.
Mit uns bleiben vielleicht noch 30 oder 40 Leute zurück. In einem fast leeren Flieger geht es über
Benin und Togo nach Accra. Gegen viertel nach neun Ortszeit landen wir und fahren mit dem Schuttlebus
zum Flughafengebäude, welches eher an eine Lagerhalle erinnert - mit dem typischen Geruch aus Omas
feuchtem Lagerkeller.
Mit unserer Immigration Arrival Card, die wir während dem Flug ausfüllen mussten, passieren wir die
Grenze,nicht ohne all unsere Fingerabdrücke und ein Foto zu hinterlassen.
Auch  unser Gepäck bekommen wir,im Gegensatz zu anderen, problemslos zurück.
Plötzlich steht Deborah vor uns, um uns abzuholen. Also gehen wir zügig durch die Gepäckkontrolle,
um unsere Projektkoordinatorin vor Ort, Emma Godwyll, zu treffen, die bereits auf uns wartet.

Mit einem alten amerikanischen, ziemlich großen Van (Ford Club Wagon ;) fahren wir noch in der selben
Nacht von Accra nach Cape Coast. Es dauert lange, bis wir die Tore Accras hinter uns lassen, sehr
lange, bis all die beleuchteten Straßen und Häuser verschwinden und zu einer gut ausgebauten Straße,
die mitten durch die Natur zu führen scheint, werden. Emma sitzt vorne, wir in zwei Reihen dahinter,
anschnallen ist nicht so wichtig. Unser Gepäck liegt auf den letzten beiden Reihen. Der Fahrer fährt
schnell. Überholt einen LKW nach dem anderen, oder auch kleinere Vans, die nicht so schnell sind wie
wir mit unserem V8- Motor, den unser Fahrer zu nutzen weiß.
Ich genieße die Fahrt mit einem Dauergrinsen im Gesicht. Auch wenn die Überholvorgänge immer etwas
ungewiss verlaufen, gefällt mir die Fahrt sehr gut, während Theresa eher übel ist.
Aber auch sie schläft, wie auch Nicolai und Helen nach einer Weile ein.

Noch auf der Fahrt die nächste Überraschung. Man hatte mir gesagt, ich würde mit Hannah,
Nicolai und Aleksandra in einer WG wohnen. Allerdings muss immer ein Mann in jeder WG sein,
um ein bisschen auf die Frauen aufzupassen - was auch immer das genau heißen soll...
Also setzen wir erst Nicolai ab, der nun plötzlich bei Myriam, Silja und Julia wohnt.
Dann fahren wir zu mir. Ich lande bei Jana, Gesine und Hannah.

Wir wohnen nicht wirklich im Zentrum Cape Coasts.
Wenn man die Stadt richtung Westen verlässt, man sagt dem Taxifahrer man wolle nach "Solace",
fährt man eine breite Straße entlang, die auf beiden Seiten mit Läden und allen möglichem gespickt
ist. Nach etwa fünf Minuten Fahrt liegen dann noch 15 Minuten Fußweg vor uns, die man auch tatsächlich
komfortabler zu Fuß zurücklegt. Die Löcher in der Straße fühlen sich bei einer Autofahrt aber auch
ganz lustig an.
Unser Haus ("Nellie Ville") liegt in North Ola, wird auch Ola House genannt und hat die Nummer 157.
Es gehört Nellie, wird jedoch im Untergeschoss von Freddie bewohnt und verwaltet. Er führt hier eine
Fahrschule und kümmert sich um uns. Das heißt, gestern Abend hat er z.B.einen Schreiner mitgebracht,
der  Türen in unsere zwei Bäder und das Klo eingebaut hat. Ich habe ihm dann ein wenig geholfen,
als er unseren Flur kurzerhand in eine Schreinerei verwandelt hat, um die Türen kleiner zu sägen,
damit sie in die Rahmen passen.

Unser Haus ist ziemlich groß und unsere Etage verfügt - neben einer schönen Loggia - über vier
Schlafzimmer (zwischen zehn und 15m²), ein gästezimmer, eine kleine Küche, für die wir eine 20kg
Gasflasche gekauft haben, ein Bad mit Dusche und Klo, einen großen Flur und einen kleinen, ein sehr
großes Wohnzimmer und einen Durchgansraum, den wir zum "trocknen" nutzen. Zudem befindet sich in
Janas Zimmer noch ein Bad, weil sie, als Älteste in unserer WG, von Freddie zum Chief erkoren wurde.

Dienstag

nach einer kurzen Nacht wache ich früh auf, es ist warm und feucht, es klingt nach Urwald.
Unterschiedlichste Vögel zwitschern und krähen, ab und zu landet ein großer Rabe auf unserem
Wellblechdach und veranstaltet somit einen ziemlichen Lärm.
Da ich eh nicht mehr schlafen kann, stehe ich auf, komme unter meinem noch abends zuvor
aufgehängtem Moskitonetz hervor, schalte den Deckenventilator ein (gibt es in jedem Zimmer) und
mache mich auf den Weg in Richtung Dusche. Das Wasser ist - wie erwartet - kalt. Aber immerhin
funktioniert sie, was nicht immer der Fall ist.
Da ich als einzier hier wach zu sein scheine, gehe ich raus, auf unsere "Loggia".
Ich fühle mich wie in einem Traum. Es sieht genau so aus, wie es sich zuvor angehört hat. Dschungel.
Um unser Haus herum ist so ziemlich alles grün. Palmen, Bananenstauden, Gräser. Der Boden, bzw. die
"Straße" (eher "Piste") ist stark rot gefärbt.
Für die nächste Stunde stehe ich an der Balustrade und zeichne die Umgebung, grüße alle, die hier
vorbeikommen und werde auch sehr freundlich zurückgegrüßt.
Nach einer kurzen Fitnesseinheit mit einer von Freddie selbst gebauten Hantel (Stahlstange, wie man
sie auf Baustellen findet, verbindet zwei kleine 2,5l Eimer, die mit Beton gefüllt sind) stehen
endlich die anderen auf, wir frühstücken (Weißbrot mit Marmelade und mein guter Kräuter-Tomate
Brotaufstrich vom Handelshof) und anschließend fahren wir per Taxi in die Stadt, Cape Coast Market.
Die Fahrt kostet uns weniger als 20 cent pro Person (40 Persewa). Einkaufen ist jedoch auch nicht
überall billig, wie wir bald erfahren. Außerdem kosten Internet Stick und Sim Card auch Geld, sodass
wir an meinem ersten Tag jeder etwa 100 Cedi (50€) ausgeben. Deutlich mehr, als geplant. Dafür sind
natürlich auch hier die schönsten Dinge gratis. So die Besichtigung des Cape Coast Castles, unser
Strandspaziergang und, auf dem Heimweg, unser Kontakt zu Jennifer und Oliv, die hier ganz in der Nähe
einen kleinen Laden führen.
Den Abend verbringen wir gemeinsam, gestalten noch ein wenig mein Zimmer und den Wohnraum um,
kochen Reis und Tomaten, trinken Cola, lernen Twi und ghanaische Gebärdensprache.
Der abendliche Ausflug ins Internet verlief dann auch zu vollster Zufriedenheit, sogar Youtube-
Videos laufen (zumindest wenn man mal eine Verbindung hat) gut -sogar ohne zu hängen.

Alles in allem ein sehr erfolgreicher und wunderschöner erster Tag, gekrönt durch eine Spinne
(etwa handgroß), die ich - als männlicher Bewohner - entfernen durfte.

Mittwoch

Heute geht es los. (Ja, schon nach einem Tag Aufenthalt ;)
Emma sagte uns, Dienstag hätten wir noch frei, um erst einmal anzukommen (v.a. ich), aber am
Mittwoche solle es dann losgehen. Also heute. So kam es, dass wir alle früh morgens, zwischen
06:00 und 07:00 aufgestanden sind, weil wir damit rechneten, jederzeit von Emma abgeholt zu werden.
Es wurde acht, dann neun, dann zehn...wir saßen mittlerweile wieder einfach gekleidet und mit buch
und laptop etc. auf der Terasse. Es wurde elf. Kurz nach elf Uhr kam Emma mit dem Auto vorbei, wir
zogen uns um, in meinem Fall lange Hose und Hemd, und fuhren los. Dann setzten wir Hannah in ihrer
Schule, der St.Monica Girls School, ab. Wir begleiteten sie auch noch und lernten die Direktorin
kennen. Das Gebäude war meiner Meinung nach umwerfend, im Kolonialstil. Zudem sehr groß.
Anschließend fuhren wir zu meiner Schule, der PHILIP QUAQUE BOYS BASIC SCHOOL, die nur unweit von
St.Monica liegt und auch nahe der Wesley Girls, in der Helen und Theresa sich befinden.
Philip Quaque liegt direkt am Meer. Der Gebäudekomplex wird nur durch eine einfache Mauer vom Strand
abgetrennt, wobei der Fußball natürlich manchmal drüber geht.
Es gibt dort zwei Kindergartengruppen, auch mit Mädchen, zudem sechs Primary Classes und noch vier
Klassenzimmer für die Großen. Und natürlich die Library, die mein Vorgänger Jacob Behrendt aufgebaut
hat.
Nach meiner Ankunft wurde ich von der stellvertretenden Direktorin, Madam Vivian, begrüßt und
zu Gershon weitergeschickt. Er macht gerade seine "Reservatioin" bei Philip Quaque und war auch selbst
dort auf der Schule. Zwei Stunden habe ich mit ihm verbracht, er hat mir den Compound gezeigt, alles
erklärt, Fragen ausführlich beantwortet - nur habe ich ihn leider nicht verstanden.
Er hat zwar langsam, aber sehr leise und undeutlich gesprochen. zudem werden hier sehr viele Dinge
einfach komplett anders ausgesprochen, als man es erwartet, was immer wieder zu Missverständnissen
führt. Aber einiges konnte ich durchaus verstehen und es war sehr unterhaltsam. Auch die kinder haben
mich alle freundlich begrüßt, viele haben mir ihre Hand gegeben und auch meine nicht mehr losgelassen.
Nach ein paar Schritten um den Hof hingen links und rechts an meinen Händen jeweils mindestens drei
kleine Kinder, Jungs wie Mädels, und wollten einfach nicht mehr loslassen, zudem bildete sich eine
größere Schar um mich herum, sodass ich ein bisschen kämpfen musste :D
Um halb Zwei meinte Yaw, wie er mit ghanaischem Namen heißt, ich könne gehen. Dann habe ich noch kurz
den Direktor kennengelernt und mit Madam Vivian ausgemacht, wann ich morgen kommen soll.
Um sieben. Das heißt, früh aufstehen, denn ich muss ja noch 15 Minuten laufen und noch mindestens
fünf Minuten Taxi fahren. Aber besser als bei Gesine und Jana, die einen längeren Weg vor sich haben.
Sie müssen erst einmal in die Stadt hinein und dann mit dem Trotro fahren, denn Cape Deaf, die
Gehörlosenschule, bei der die beiden arbeiten, liegt außerhalb der Stadt.
Also machte ich mich nach der Schule auf den Weg zu einem Taxi, setzte mich hinten rein, sagte:
"Solace, please" und innerhalb von fünf Minuten war ich Daheim. 50 Persewas waren ein fairer Preis,
bei dem ich nicht mehr verhandeln musste.
Nach 30-40 Minuten kam Hannah nach Hause und sie berichtete mir zugleich von ihren ersten Stockhieb-
erfahrungen. Gemeinsam warteten wir zirka zwei Stunden auf die Anderen.
Einen schönen Abschluss fand auch dieser Tag - mit einem Spaziergang am Strand.
Der liegt nur zehn Minuten Fußweg von unserem Haus entfernt und ist wunderschön. Und man kann dort
völlig ungestört und alleine laufen, mit Ausnahme des toten Hundes, der in der Brandung hin - und
hergetragen wurde. Wir drehten dann noch eine kleine Runde und Hannah und ich kauften noch bei
Jennifer und Bob ein, unserem "second home", wie die beiden sagen, die auch schon regen Kontakt zu
unseren Vorgängern pflegten. Die beiden interessierten sich sehr für Deutsch, unsere Heimat und
Schule, für Angela Merkel und noch vieles mehr. Wenn man nur kurz mal was einkaufen gehen will, und
der Laden ist ungefähr zwei Minuten von hier entfernt, muss man dann meistens doch etwas mehr Zeit
einplanen. Aber es macht auf jeden Fall sehr viel Spaß, sich mit den beiden zu unterhalten.
Inzwischen habe ich schon verschiedene neue Namen erhalten, mein richtiger ghanaischer Name aber
lautet "Kwabena" ("geboren an einem Dienstag").
Nach dem Essen sitzen wir nun wieder zusammen, wenn auch jeder an seinem Laptop - aber immerhin.
Allerdings haben wir leider seit heute morgen kein Wasser mehr, deshalb benutzen wir zum Händewaschen,
Klo spülen und derlei Sachen unsere Notreserven an Wassereimern, die aber bald erschöpft sind.
Waschen un Spülen fällt auf jeden Fall für heute flach.
Aber morgen ist auch noch ein Tag.

Montag, 4. Juli 2011

AKWAABA!

Herzlich Willkommen

Hiermit möchte ich alle begrüßen, die sich für meinen Blog interessieren und ihn vielleicht sogar regelmäßig verfolgen (werden). Ich freue mich über jeden, der hier einen Kommentar oder eine Botschaft aus der Heimat hinterlässt. Ich hoffe zudem, dass ich während meinem Jahr in Cape Coast, Ghana, genug Zeit und Möglichkeit finden werde, um euch allen von meiner Arbeit (und hoffentlich auch Freizeit), von Land, Menschen, Kultur und Leben ausführlich zu berichten.

Danke.

Steffen