Sonntag, 1. Januar 2012

"Reise nach Jirapa"

Zu Beginn der Weihnachtsferien starteten wir unsere Reise nach Jirapa, in der Upper West Region.

Morgens wollten wir einen der typisch orangenen MMT (Metro Mass Transit Limited) Busse (von Neoplan) nach Kumasi nehmen, aber als wir an der Busstation ankamen, war weit und breit keiner zu sehen, weshalb wir uns für ein Trotro entschieden. Ein alter, weißer Mercedes Sprinter, mit ordentlicher Ausstattung (Kunstlederbezüge, Fernseher), der uns für sechs Cedi bis nach Kumasi mitnahm. Die Fahrt verlief ziemlich ruhig, die Bilder, Farben, Städte, der Busch, die Pflanzen und alles, was sonst so unterwegs war, flogen an uns vorbei.

Unser Luxus- Trotro nach Kumasi


Gegen halb zwei stiegen wir in Kumasi, der Hauptstadt der Ashanti Region, aus. An der Keshetia Bus Station. Mitten im Trubel der Metropole. Auf dem Weg durch die Stadt, bepackt mit meinem nicht allzu leichten Reiserucksack, trafen wir auf Gesine und Jana, die die Tage zuvor in Kumasi gewesen waren. Sie mussten zum Bus, um noch am selben Tag zurück nach Cape Coast zu kommen. Wir setzten unseren Weg fort, noch kurz zum Cultural Centre, wo wir noch essen gingen, bevor wir die Stadt gefühlt einmal komplett durchquerten, auf der Suche nach unserem Hotel. Das Presbyterian Guest House erreichten wir durch große und ebenso volle Straßen, die zu passieren wir mit meinem Rucksack echte Probleme hatten. Die immerhin vorhandenen Fußgängerwege waren genauso überfüllt mit Waren und Menschen wie die Straßen mit Autos, Taxen und Lieferwagen. Wir kamen an einigen großen Baustellen vorbei, Supermärkten, der Ghana Post Office von Kumasi (mit 20 000 Postboxen) und ein paar Banken. Wir fragten uns durch und ich navigierte uns mithilfe des Reiseführers ziemlich sicher bis zum Ziel. Angekommen trafen wir noch einmal auf Jana und Gesine. Im Gästebuch des Hostels.

Innenhof und offene Gänge im Obergeschoss des Presbyterian Guest Houses


Es war ein großes Gebäude, das über weitläufige, offene Gänge viele Zimmer miteinander verband. Die Zimmer waren schlicht, aber gut. Zwei Betten, Tisch, zwei Stühle, ein Schrank, sowie ein gefliester Boden und ein Ventilator waren ein guter Standard. Das Bad und das Klo auf dem Flur hätten besser sein können, unser selbstgemachtes Frühstück im Zimmer entschädigte uns jedoch. Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in den Zoo. Für fünf Cedi Eintritt erwartete uns ein ambivalentes Ambiente. Der Zoo liegt mitten in der Stadt und wird durch riesige, weniger gut erhaltene und mit Stacheldraht gesicherte Mauern von der Außenwelt abgeschirmt. Im Inneren befinden sich auf einigermaßen viel Platz leider ziemlich kleine Gehege für die Tiere. Natürlich sind die Zoos bei uns, z.B. die Wilhelma, auch nicht besonders großzügig, was die Größe der Tiergehege angeht. Aber der Zoo von Kumasi hätte noch genug Platz, um sämtliche Käfige deutlich zu vergrößern. So leben Antilopen, Krokodile, Schlangen, Vögel und Affen, wie bei uns, recht beengt. Lediglich die Löwen und Schimpansen haben mehr Platz. Leider sind die meisten Käfige auch ziemlich heruntergekommen. Zwar ist der Schimpansenkäfig größer gebaut, sodass die Affen auch etwas
klettern können, aber es befindet sich kein Stroh auf dem Boden oder dergleichen, sodass der Käfig aus einem Betonfundament mit verrosteten Stahlstangen besteht. Der Zoo ist auch nicht besonders stark besucht, weshalb sicherlich auch das Geld für Verbesserungen fehlt. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, dass die Eintrittszahlen künstlich hochgeschraubt werden, zumindest kann ich es mir nicht anders erklären, dass wir zu zweit acht Eintrittskarten bekommen haben.

Die Gegend rund um unser Guest House




Der Eingang zum Zoo

Der Zoo, aus dem hinteren Bereich betrachtet

"Give me"

Ein Melonenbaum im Cultural Centre
Ein kleiner Teil des riesigen Central Markets



Danach sind wir zum Cultural Centre gegangen, um ein paar Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Dort befinden sich auf einer großen, Anlage viele Werkstätten und Shops der verschiedenen Handwerkskünste: Schmiede, Weber, Schneider, Töpfer. Man kann Taschen und Kleider, Schmuck und viel Kleinkram kaufen, was das Touristenherz so begehrt.
Anschließend versuchten wir noch unser Glück auf dem Central Market, dem wahrscheinlich größten Markt Westafrikas. Man verliert jegliches Raumgefühl, weiß nicht in welche Richtung man läuft, wo es wieder rausgeht und wieviel Zeit vergeht. Der Bewegungsraum ist auch ziemlich begrenzt. Am besten schaut man, dass man findet, was man braucht und dann entscheidet man sich, in eine Richtung zu laufen, bis man an irgendein Ende kommt.
Bei Abenddämmerung schlenderten wir durch Gewusel und Trubel der Stadt zurück zu unserem Hotel. Dort trafen wir noch Referend John Richard Nkrumah, einen Freund von Julias Gastvater Daniel. Er wünschte uns noch eine gute Reise und lud uns bei nächster Gelegenheit zu sich nach Hause ein. Immer wieder staune ich hier in Ghana, wie klein die Welt doch ist. Am nächsten Morgen standen wir um vier auf, nahmen ein Taxi, machten einen Drop- in (das bedeutet, dass einen das Taxi genau dort hinfährt, wo man hin will; im Gegensatz zu einem normalen Share- Taxi, bei dem man ein- und aussteigt, wie bei einem Linienbus) und waren vor sechs an der Metro Bus Station. Leider waren wir dennoch zu spät. Bereits so früh am Morgen war die Busstation total überfüllt. Etwa 60 Busse befanden sich auf dem Platz, die im Minutentakt kamen und wieder losfuhren. Allein nach Wa, die Hauptstadt der Upper West Region, standen etwa 200 Leute vor uns in der Schlange und so mussten wir zusehen, wie vor unserer Nase drei Busse nach Wa fuhren. Dann sagte man uns, dass kein Bus mehr fahren würde. Einige Fahrgäste beschwerten sich und plötzlich hieß es wieder, es würde noch ein Bus kommen. So ging das ein paar Stunden und mit der Zeit wurde die Menge unruhig. Ein Manager besorgte einen Bus, dieser fuhr vor, dann kam wieder ein anderer Manager und sagte, so gehe das nicht und bestellte den Bus wieder ab. Immer wieder hieß es, nun würden Tickets verkauft, alle quetschten sich in eine Reihe - wieder war nichts. Insgesamt ging das ganze Dilemma über neun Stunden und wir waren, wie die meisten Menschen, ziemlich erschöpft und hatten mittlerweile schon überlegt, wieder zurück nach Cape Coast zu fahren. Um halb vier jedoch kam dann wirklich ein Bus. Es war der erste, der morgens in Wa losgefahren war und nun in Kumasi ankam. Wir bekamen ziemlich schnell ein Ticket und dann ging es auch zügig weiter. Normalerweise fahren die Metrobusse nicht über Nacht. 
Noch bevor wir Kumasi verlassen hatten, trafen wir schon auf zwei Unfälle. Ein Trotro war im Graben gelandet und ein LKW lag diagonal auf der Straße, sodass der Bus diesen spektakulär umfahren musste. Die weitere Fahrt verlief teilweise ruhig, meistens eher ruppig, aber vor allem sehr sehr schnell. Durch die Nacht rasend, über Schotter- und Staubpisten jagend, stoppten wir nur einmal in Bamboi, ansonsten fuhren wir durch. Wa erreichten wir gegen halb elf nachts, ziemlich müde. Wir nahmen ein Taxi zur Trotrostation und dort das letzte Trotro, das noch gut voll wurde. Über Nadawli fuhren wir nach Jirapa, wo es schon merklich
kälter war als hier im Süden bei Nacht. So endete unser Tag erst gegen drei Uhr morgens, wir waren jedoch einfach erleichtert, endlich angekommen zu sein.
Gleich am nächsten Tag ging ich in Jirapa zum Frisör. Eigentlich wollte ich das vermeiden, aber es ließ sich nicht umgehen. Ich erklärte dem Frisör was ich wollte, der Salon war nebenbei bemerkt für ein ghanaisches Geschäft überaus ordentlich und mit viel Liebe zum Detail, er jedoch verstand anscheinend nicht so ganz genau, was ich wollte. Jedenfalls setzte er mit der Maschine ziemlich tief an, um das Ganze schlussendlich noch mit der Rasierklinge zum Abschluss zu bringen. Ergebnis: deutlich unter 10mm. Aber egal, kann ja mal passieren. Ansonsten ist es aber interessant, wie sehr sich der Norden, bzw. der Upper West, vom Süden unterscheidet. Die Shops sehen gleich aus, aber die Flora ist eine andere. Unterwegs wurde es zwar dunkel, aber nördlich von Kumasi wurde der Urwald immer lichter, immer niedriger. Noch kurz nach Cape Coast sieht man viele Palmen. Diese werden richtung Norden immer weniger, man fährt lange Zeit durch dichten Busch. Mit der Zeit lichtet sich dieser, die Bäumer werden kleiner und , verschwinden später und verwandeln sich in weitläufige Savanne, mit hohen Gräsern, nur teilweise durch große Baobab- Bäume durchwandert. Doch auch diese haben in der Zwischenzeit ihre Blätter verloren. Es ist Trockenzeit, was man im Norden ganz besonders spürt, der sich dann dem Wüstenklima anpasst. Tagsüber brennt die Sonne, es ist heiß, aber trocken. Der Harmattan, der trockene Saharawind kommt und trocknet die ganze Region aus. Die Gräser und Bäume, Büsche und der Boden vertrocknen oder werden zur Vorsicht abgebrannt. Immer wieder sahen wir im Vorbeifahren, wie die Gräser angezündet werden. Über Nacht leuchten sie nah und fern, nachts wird es dann - vor allem für ghanaische Verhältnisse - ziemlich kalt, sodass die Feuer morgens ausgehen. Zwar trocknet einem der Harmattan wirklich Nase und Lippen, Haut und Rachen aus, dafür aber kommt man kaum ins Schwitzen und die Kälte bei Dunkelheit genoss ich sehr.

Eine ziemlich verfallene aber teilweise immernoch bewohnte Siedlung vor Jirapa

Die Tankstelle von Jirapa

ausgetrocknete Savanne

Jirapa, die Durchgangsstraße richtung Wa

Richtung Lawra

Ein typischer Shop in Vodafone- Farbe

Die Feuerwehr von Jirapa

Salamatu in unserer favorisierten Bäckerei


Samstag war es dann soweit. Weihnachten war gekommen. Still und heimlich, ohne dass wir es bei diesem Klima hier wirklich bemerkt hatten. Ungewohnt, ohne all diese Weihnachtsstimmung. Es wurde nicht wochenlang vorher die ganze Stadt geschmückt, es wurde nicht kalt, es schneite nicht, kein Weihnachtsmarkt. Ganz stimmt das nicht. Auch in Ghana feiert man Weihnachten. In den Supermärkten gibt es ganz superkitschige Weihnachtsdekoration, blinkende Plastiktannen und aus so manchem Laden schallt in ghanaischer Manier (laut, oder besser noch lauter, aus riesigen Lautsprechern) Weihnachtsmusik.
Gemeinsam gingen Julia und ich und ihre zwei Mitfreiwilligen gegen Nachmittag an einen nahegelegenen und mittlerweile deutlich geschwundenen See. Dort spielten wir Gitarre und sangen und natürlich gab es auch eine reiche Bescherung. Ich bekam ein sehr schönes ghanaisches Hemd. Am nächsten Tag feierten wir noch einmal Weihnachten, denn in Ghana findet dieses am 25. statt. Nach dem Frühstück begaben wir uns nicht in die Kirche, sondern an die Power House International School, die Teil des Projekts von Julias Gastvater ist. Schätzungsweise 500 Menschen hatten sich dort versammelt, alt und jung, die Pastor Daniels Gootesdienst
lauschten, den er in Englisch hielt, aber gleichermaßen von Pastor Joel in die lokale Sprache, Dagaari, übersetzt wurde. Auf typisch bunten Plastikstühlen oder den Schulbänken saßen die Menschen draußen im Schatten einiger Bäume, es gab Essen und man bestellte das örtliche Feuerwehrauto, um Wasser für alle zu besorgen. Nach zwei Stunden machten wir uns auf den Heimweg und warteten noch eine Weile bis es im Programm weiterging, zum Festessen. An das Haus von Familie Ayembilla grenzt ein ebenfalls Pastor Daniel gehörender Kindergarten an, in welchem man ein Tafel aufbereitet hatte, die sich sehen lassen konnte. Es gab alle möglichen lokalen Gerichte: Banku, TZ, Fufu, Plantain- Fufu, Plain Rice, Jollof Rice, Bambala- Beans, Light Soup, Groundnut Soup, Tomato Stew, Ginuea Fowl, Fried Chicken, Pork und Soya Kebab. Zudem Soyamilch und Malzbier. Es war sehr lecker, vor allem der Erdnusssoße kann ich nicht widerstehen.
Am Abend ging die Familie noch einmal in die Kirche, während wir Teig vorbereitet hatten, den wir vor dem Haus an einem Lagerfeuer zu Stockbrot verarbeiteten. Dazu spielten wir wieder Gitarre. Es war eine schöne Stimmung. Und da es draußen im Laufe des Abends auch kälter wurde, konnte man das Feuer richtig genießen und es kam doch noch etwas Weihnachtsstimmung auf.

wo wir Freiwilligen Weihnachten gefeiert haben

wo wir Lagerfeuer gemacht haben

Das Haus der Familie Ayembilla

wo wir Weihnachten mit der Familie gefeiert haben
Das Weihnachtsbuffet

Der Eingang zum Kindergarten: Welch passender Spruch zum Weihnachtsfest!



Der nächste Tag war etwas merkwürdig. Ayembillas hatten Besuch aus den USA. Zwei Rentnerinnen, die die Familie schon lange kennen, eine von ihnen hatte auch mal eine Zeit lang in der Northern Region gelebt. Sie hatten viele Spenden zusammengetragen, einige Tausend Dollar und besuchten nun die verschiedenen Projekte und machten auf sehr grobe Art und Weise gestellte Fotos für die Spender Zuhause. Es war recht ärgerlich, wie der Tag so ablief, wie wir und die Waisenkinder behandelt wurden, besonders merkwürdig fand ich aber die Geschenke, die die beiden US- Amerikanerinnen mitbrachten. Neben einigen Elektrogeräten für die Familie hatten sie auch Spielcomputer für die Waisenkinder dabei, für die andere Dinge irgendwie sinnvoller erscheinen. Ich denke, dass sie den Freiwilligen die Arbeit langfristig eher erschweren und dass sie, vor allem, da sie das Land kennen, Sinnvolleres hätten mitbringen und machen können, sich anders verhalten können.

Daniel und Elizabeth Ayembilla vor dem Waisenhaus

Das Waisenhaus von Jirapa


Noch zwei weitere Tage vergingen und wir begannen wieder zu packen. Donnerstagmorgen standen wir um halb drei auf, Jesse und Jeff, zwei von julias vier Gastbrüdern, fuhren uns mit dem Pick- up nach Wa, zur Busstation. Jesse fuhr ziemlich schnell, vor allem, da es noch dunkel war. Mit teilweise 140km/h rasten wir durch die Nacht, niemand kam uns entgegen. Was allerdings bei solchen Geschwindigkeiten passieren kann und warum die meisten Menschen hier nicht bei Nacht Auto fahren, zeigte und ein schräg auf der Straße stehender Geländewagen - mit Totalschaden. Jesse fuhr unbeirrt weiter und um vier Uhr waren wir in Wa. Noch war nicht viel los, der Bus nach Tamale und der nach Bolga standen allerdings schon bereit. Jeff stellte sich für uns an. Gegen fünf wurden die Schalter geöffnet. Dann kam es wie so häufig. Immer wieder ärgere ich mich über den Ablauf des Ticketverkaufes. Er beginnt, kurz nachdem der Bus vorfährt, der Schalter öffnet sich und die Leute, die seit Stunden davor warten, hoffen, dass sie ein Ticket für den nächsten Bus bekommen. Nebenbei quetschen sich Leute, die sich nicht anstellen möchten, jemanden von MMT persönlich kennen oder sich einfach nicht an die Regeln halten wollen, neben den Schalter und erhalten auf interessante Weise auch Tickets. Das ganze System finde ich ziemlich nervig. Die meisten Menschen stellen sich an, warten, bis sie an der Reihe sind. Manche drängeln sich auf Kosten derer, die sich an die Regeln halten, vor oder gehen zu einem der Metro- Angestellten, die bei Schalteröffnung selbst Tickets kaufen und diese für jeweils einen Cedi mehr weiterverkaufen. Das heißt, einige Leute nutzen den illegalen Extraticketverkauf, weil sich ihnen die Gelegenheit bietet, die Metroleute verkaufen diese illegal, zum Ärger der anderen Fahrgäste. Das macht die Menschen verständlicherweise wütend. Aber warum ist das so? Einfach weil jeder seine Chancen nutzt, um zu sehen, wo er bleibt. Wie wir erfahren haben, verdienen die Busfahrer bei MMT etwa 150 Cedi pro Monat, was bei dem Arbeitspensum nicht besonders viel ist. Zudem ist das wahrscheinlich noch deutlich mehr als die Ticketverkäuferinnen verdienen. Unsere Heimreise begann jedenfalls um halb sechs und verlief wie üblich über Bamboi völlig problemlos, wenn auch stellenweise holprig. Gegen halb eins erreichten wir Kumasi, verpassten den direkt nach Cape Coast abfahrenden Bus und stellten uns in die Reihe für den nächsten Bus, sodass wir um viertel nach eins bereits wieder unterwegs waren. Mit vielen Stops kamen wir dann um sechs in Cape Coast an, ließen uns für lediglich fünf Cedi bis vors Haus fahren.
Bis Sylvester entspannten wir erst einmal und genossen die Ruhe im und ums Haus. Solange zumindest, wie sich die Bauarbeiter ruhig verhielten. Denn unser Haus bekam in den letzten Tagen rundum neue Moskitonetze vor den Fenster und wird noch dazu neu gestrichen. Endlich. Zum Sylvesterabend bereiteten wir uns ein fantastisches und außergewöhnliches Menü, dazu natürlich Dinner For One, Feuerwerk gab es auch ein wenig. So war es ein schöner Übergang ins neue Jahr, vor allem, da wir, seit wir wieder hier sind, fast ununterbrochen fließendes Wasser, Strom und Internet haben. Ein Traum.

In diesem Sinne, völlig entspannt und zuversichtlich, was das neue Jahr angeht, wünsche ich allen ein frohes neues Jahr, viel Glück und Erfolg!

Samstag, 17. Dezember 2011

"Das Jahr geht zu Ende..."


Das erste Quartal meines Jahres in Ghana ist vorbei und auch das Jahr geht zu Ende. In letzter Zeit ging es auf und ab und natürlich ist wieder viel passiert, es gibt viel zu erzählen - nach einem Monat Pause. Aber von vorn...


Zuerst einmal habe ich das Basketballtraining intensiviert, von dem ich das letzte Mal geschrieben habe. Immer montags, mittwochs und freitags um halb sieben ging es los. Anfangs kamen noch wenige und ich spielte ein paar Mal mit. Aber innerhalb der letzten Wochen kamen immer mehr Jungs, immer mehr kamen regelmäßig und auch nur selten zu spät. Waren es am ersten Montag noch vier Jungs, waren es Mittwoch schon sechs, Freitag acht und Freitagnachmittag, da trainieren wir auch, schon über zehn.
Teilweise waren es Freitagnachmittag auch zwanzig, da die Neuntklässer morgens, wenn wir normalerweise trainieren, schon Unterricht haben und nur Freitagnachmittag Zeit haben. Mittlerweile aber habe ich einen guten Haufen Stammspieler und immer ein paar, die ab und zu kommen und mittrainieren.
Zudem kommen noch Michael und "White" und unterstützen mich beim Coaching. Leider ist unser Ball kaputt und so gab es in der letzten Zeit immer ein paar Probleme, einen guten Ball auszuleihen, bis ich an einen Neuen komme. Ich habe nämlich wieder einmal Probleme mit meiner Kreditkarte und kann mal wieder seit zwei Wochen kein Geld abheben. Aber naja. Das Training läuft auf jeden Fall gut, fast regelmäßig führe ich neue Trainingsmethoden ein, die auch oft ziemlich schnell und gut angenommen werden. Überhaupt spielen viele schon ziemlich gut. Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit den Leistungen, auch wenn ab und zu mal einer Laufen geschickt wird, wenn er zu viel Quatsch macht oder viel zu spät kommt.

Das PQBS Basketballteam, zusammen mit Michael (links) und White (rechts) auf dem Basketballplatz von Hoops Care International im Victoria Park



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Vor ein paar Wochen ist unser Schulkiosk eingestürzt. Auf den Bildern, die ich unter der PQBS- Seite reingestellt habe, sieht man auf dem Schulhof hinten rechts zwei kleine Holzhütten. Die rechte ist die Schulkantine, die linke eine Art Kiosk, mit Wasser, Keksen, Stiften und was sonst so alles benötigt wird (oder auch nicht). Nachdem die linke Hütte schon eine Weile lang ordentlich Schieflage hatte, konnte man ihr in ihrer letzten Woche zusehen, wie sie sich immer von Tag zu Tag um ein paar Grad weiterneigte, bis sie schließlich eines Montagmorgens (nein die Verkäuferin und ihr Stand waren zuvor nicht mehr unter das Dach der Hütte zurückgekehrt) zusammenbrach. Einen Tag lang war nur noch die Ruine übrig, doch schon am nächsten Tag bauten die Schüler alles ab, trugen die Einzelteile zusammen, sortierten sie nach großen und kleinen Brettern, Wellblech zu Wellblech und so fand ich, als ich am nächsten Morgen in die Schule kam, nur noch einen frisch gefegten Platz, das Fundament der alten Hütte wieder. Der Rest war verschwunden.
Noch einen Tag später kam ein Mann, ein Bauarbeiter und begann, ziemlich zügig wie ich finde, Ziegel für den neuen Kiosk zu produzieren. Der sollte nämlich nun ordentlich und massiv gebaut werden. 
Innerhalb dieses einen Vormittags verarbeitete besagter Herr ungefähr zehn Säcke Zement à 50kg und stellte daraus in etwa 300 Zementziegel her. Er hatte nur noch einen Haufen Sand vom Strand und ein Fass Wasser, zudem eine einfache Metallform, in die er die Mischung mit der Schaufel einfüllte, dann umdrehte und fertig war ein Ziegel, mit den typischen ghanaischen Maßen (ca. 20x20x40cm), aus denen alle Gebäude gebaut werden. Auf meine Nachfrage hin erfuhr ich, dass der Sack Zement etwas mehr als zehn Cedi kostet und der
Bauarbeiter 3 Cedi bekommt - pro verarbeitetem Sack Zement (etwa 30 Ziegel). Bezahlt wird das Ganze von der P.T.A. (Partens- Teacher- Association). Seitdem ist allerdings leider nichts mehr passiert, die Ziegel trockneten ein paar Tage in der Sonne und warten nun im Sand des Schulhofes auf ihre Weiterverarbeitung. Aber wenn mal wieder Geld da sein sollte, da bin ich mir sicher, dann steht innerhalb von ein, zwei Tagen ganz plötzlich eine neues Häusschen auf dem Schulhof.

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Ende November fuhr ich nach Kumasi, um Julia abzuholen.
Seitdem haben wir kein fließendes Wasser mehr. Zudem fällt öfters mal der Strom aus, einmal waren es zwei Tage, was nicht besonders praktisch ist. Ohne Strom und folglich Licht endet der Tag früh, das Duschen mit dem Eimer morgens fällt auch eher flach, Ventilatoren schweigen, Freiwillige schwitzen - aber das schlimmste: der Kühlschrank ist ohne Strom, was ganz besonders nach dem Einkaufen ärgerlich ist. So gab es im letzten Monat zahlreiche Tage ohne Wasser, Strom und in meinem Fall auch ohne Geld.Aber ansonsten ging der Alltag weiter. Wir besuchten wieder einmal ein Fußballspiel der Dwarfs. Diesmal gegen Chelsea aus der Brong- Ahafo Region. Unentschieden.
Und das Fußballteam der PQBS spielte ebenfalls bei einem Turnier im Fußballstadion der Dwarfs mit, für das sie sich beim letzten Turnier qualifiziert hatten. 
Zusammen mit Julia war ich auch nochmal in Kakum, aber diesmal war dort ziemlich viel los, sodass man den Canopy kaum genießen konnte. Deshalb entschieden wir uns im Anschluss auch noch für den Nature Walk, bei dem wir nur zu zweit von Eric begleitet wurden, der uns viel erzählte, von den Bäumen, was daraus hergestellt wird und den Tieren, den Affen und Waldelefanten. Da wir mit dem Trotro nach Kakum gefahren waren und nicht geplant hatten, wie wir heimkommen, standen wir jedoch etwas verloren in der Gegend herum. Zwar war alles voller Reisebusse und es kamen immer wieder Trotros vorbeigerast, aber die kamen alle vom Markt in Praso und waren schon voll. Irgendwann hielt ein Shopbesitzer einfach irgendein Auto an, fragte den Fahrer, ob er uns mitnehmen könnte und so kamen wir doch noch zurück nach Cape Coast. Gemeinsam mit Fred, der in den USA Wahlkampf für Obama betreibt und nebenbei Geld damit verdient, Autos aus Stuttgart nach Ghana zu verschiffen und Deborah, eine Organisationsleiterin aus Ohio. So kann man auch mit Menschen in Kontakt kommen. Es war auf jeden Fall eine interessante Fahrt, bei der uns Fred erklärte, wie die Einreisebedingungen für ihn nach Deutschland heute aussehen und wie es vor zwanzig Jahren war.
Abends gingen Julia, Gesine, Jana, Jessica, Hannah, Jona und ich dann ins Solace und aßen und tranken dort, um bis Mitternacht zu warten. Leider verließen alle weiteren Gäste kurz vor halb Zwölf das Lokal, nur wir saßen noch dort, ausharrend, bis wir in meinen Geburtstag reinfeiern konnten. Stilecht, mit ghanaischem Tütenschnaps. Obwohl Jona mir eine Flasche Rotwein aus Argentinien geschenkt hatte.
Es war ein schöner Abend und wir saßen noch lange in die Nacht hinein zusammen im Wohnzimmer. Nur ein spektakuläres Ereignis trübte das Bild ein wenig. Als wir nachts gerade heimgehen wollten, hatte Hannah plötzlich einen Holzspieß im Fuß stecken. Von oben hatte er sich durch ihren Birkenstocksandalen in ihren Fuß gebort, was tatsächlich erschreckend und merkwürdig aussah. Zum Glück war Freddie zufällig in der Nähe und konnte sie heimfahren, auch wenn der Fuß die nächsten Tage enorm anschwoll und Hannah ihn kaum noch bewegen konnte. Samstagmorgen starteten wir mit einem entspannten Brunch, danach gings ans Meer und anschließend im nahegelegenen Hexagon Guest House in den Pool, während Hannah leider den ganzen Tag im Krankenhaus verbringen musste.
Der Sonntag lief ebenfalls entspannt ab, außer für Hannah, die entweder lag, oder aber, besonders lustig anzusehen, mit einem Plastikstuhl als Krückenersatz mit Schneckentempo durch die Wohnung schlurfte.

Sudu Stadium Cape Coast: Dwarfs vs. Chelsea

Die Rückseite des Stadions grenzt direkt an die Fosu Lagune

Eric, unser spaßiger Guide beim Nature Walk in Kakum

Mitten durch den Urwald

Eine Palmöl- Palme

Eine Kakaopflanze


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Ein besonderes Schauspiel boten mir letzten Montagmorgen in der Schule ein paar Flughunde. Zuerst dachte ich, es handelte sich um Vögel, dann aber sah ich die Flügel und wunderte mich, dass tagsüber der ganze Himmel voller Fledermäuse war. Als ich noch genauer hinsah, bemerkte ich aber die spezielle Form der Köpfe und, dass diese Tiere, die zu ungefähr zweiundert über eine Stunde lang ihre Kreise über der Schule zogen, einfach zu groß für Fledermäuse waren. Sie waren aufgeschreckt worden, aus ihren Schlafplätzen, drei Palmen hinter der Schule, vertrieben worden und flogen nun kreischend durch die Gegend. Der Himmel war voll von ihnen.
Ähnlich beeindruckend waren die Adler, als Julia und ich heute am Strand entlang aus der Stadt nach Hause liefen. Über uns kreisten mindestens 30 oder 40, teilweise nur zwei Meter über unseren Köpfe. Und sie scheuten es auch nicht, nur wenige Meter von uns entfernt ins Meer oder auf den Sand zu stürzen, um etwas leckeres zu erwischen. Das Szeanrio war durchaus furchteinflößend, da außer uns und den ziemlich großen Adlern niemand in der Nähe war und die Tiere uns sehr nahe kamen.

Aber noch einmal zurück in der Zeit. Zum letzten Wochenende, das zweite Dezemberwochenende, das einfach nur traumhaft war. Zumindest für mich. Freitag nach der Schule, genauer gesagt direkt nach dem Basketballtraining, trafen sich Hannah, Julia und ich am Trotroplatz und fuhren nach Takoradi. Dort warteten wir auf Jessica und Eline und ließen uns von Charles, Alis Fahrer, abholen. Ein Wochenende Luxuskurzurlaub stand uns bevor und es sollte meine Erwartungen mehr als erfüllen, das einzige was mich ein bisschen ärgerte, war, warum wir nicht doch die Woche zuvor, an meinem Geburtstag, hergefahren waren.
Als wir ankamen, konnten wir uns erst einmal Zimmer aussuchen. Mit richtigen, großen Betten und Klimaanlage. Meine erste Handlung an dem Abend war eine heiße Dusche. Noch nie in meinem Leben - noch nie! - habe ich mich so unglaublich sauber gefühlt. Und das beste: durch die Klimaanlagen kam ich nicht wieder ins Schwitzen! Welch ein ungewohntes Gefühl.Währenddessen waren die Mädels in der Küche beschäftigt und wir hatten ein umwerfendes Abendessen. Frikadellen, mehr als genug, mit richtigem Salat und Baguette und Cola und vor allem: Apfelsaft. Wir waren, so denke ich, alle sehr zufrieden. Den Abend rundeten wir mit Cookies und Billard ab.
Auch die Nacht in einem richtigen Bett, ohne zu schwitzen, ohne zu frieren, war unglaublich, ebenso die nächste Dusche am Morgen und das Frühstück, bestehend aus Rührei, den restlichen Frikadellen, Gurken, Baguette mit Butter und Käse. Wir waren einfach geschockt, von der Auswahl an Essen. Man musste endlich mal nicht sparen und konnte alles genießen, was man so lange vermisst hatte. Es war fantastisch. Ebenso wie unser Tagestrip nach Butre. Alis Fahrer fuhr uns nach dem Frühstück nach Butre, einem kleinen Fischerdorf neben dem bekannteren Busua. Wir fuhren etwa eine halbe Stunde von Busua aus (Busua - Butre: ca. 3km) über eine Piste durch den Busch, bis wir das wirklich sehr kleine Butre erreichten. Die Lage Butres ist wunderschön. Das Meer bildet eine Zunge ins Land, bzw. Ein Fluss, dessen Namen ich leider nicht weiß, mündet dort ins Meer und bildet eine wunderschöne Sandbucht. Über eine wackelig anmutende Brücke gelangen wir zu einem Boot, das uns für acht Cedi pro Person, gemeinsam mit Kyryll aus der Ukraine und Mohammed und seiner Famile aus dem Libanon, beide arbeiten in Takoradi für Schlumberger im Ölgeschäft, den Fluss hinauffuhr. Durch einen Mangrovenwald.
Es war ein entspannender Ausflug, sich über den Fluss treiben zu lassen, die Fischer (vor allem Kinder), Krabben und Vögel in den Mangroven zu beobachten. Nach einer Stunde ließen wir es uns zurück in Butre nicht nehmen, noch einmal dort ins Meer zu rennen, bevor wir uns von Charles zurück nach Takoradi bringen ließen. Dort fuhr er uns zu einem der Häuser, die Ali für seine Firma dort renoviert und vermietet.
In diesem Fall an Tyler aus den USA. Dort nutzten wir den Pool, um ein paar runden zu schwimmen und zu planschen, gefolgt von ein paar echt leckeren Steaks, die den Mädels am nächsten Tag, bzw. in der folgenden Nacht noch Probleme bereiten sollten. Noch am selben Abend schleppte Ali uns in die Champs Sportbar in dem Gebäudekomplex der Stellar Lodge. Das war auch ein ungewöhnliches Erlebnis. Die Bar war zur Hälfte gefüllt mit Weißen, die, wie Ali uns erklärte, alle im Ölgeschäft tätig waren, dass hier in Ghana zur Zeit sehr boomt. Im Laufe des Abends kamen auch immer mehr nicht besonders unauffällig gekleidete Damen in die Bar, die versuchten, mit den Herren in Kontakt zu kommen. Wir interessierten uns jedoch eher für die Billardtische, das Spiel zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid, sowie die Auswahl an Essen und Getränken. Ali hatten am Einlass für jeden von uns zehn Cedi bezahlt, die wir nun verzehren durften. So flossen ein paar Getränke, die wir hier in Ghana noch nicht probiert hatten, zudem kamen wir in den unbeschreiblich dekadenten Genuss von Nachos, Kartoffelecken und Pizza. Dazu bekamen wir noch Getränke auf die Kosten des Hauses und hatten somit einen sehr entspannten Abend, der nur durch das unglaubliche Bett noch perfekt abgerundet werden konnte. Sonntagvormittag fuhr Charles uns zurück nach Cape Coast.

Unser leckeres Abendessen

Das ebenso leckere Frühstück

Unsere Buschdurchquerung nach Butre

Butre



Das blaue Boot, "Princess Diana", war unseres

Mangroven


Unser Abend am Pool

Ferienhaus in Butre

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Diese Woche hatten wir dienstags Charols Day, also Weihnachtsfeier, in der Schule. Mittags versasmmelten sich alle Schüler und manche Lehrer in dem Klassenzimmer der vierten Klasse, das mit Girlanden und Gardinen, Plakaten (zwei von mir) und gelben Plastikstühlen geschmückt worden war. Das Programm, angeführt von dem sehr bemühten Mr.Narh, bestand aus neun Vorlesungen aus der Bibel, immer wieder durchsetzt von Gesängen der verschiedenen Stufen. Teilweise einheimische Lieder, aber auch We Wish You A Merry Christmas war mit von der Partie.
Die restliche Woche verlief nicht besonders erfreulich, wobei ich Mittwoch und Freitag Aufsicht bei den Examen hatte, die über die ganze Woche statt fanden. Montag Englisch und Mathe, Mittwoch Science und R.M.E. (Religion and Moral Education), Donnerstag Social Studies und B.D.T. (Basic Design und Technology), Freitag Fante und ICT (Computerunterricht).



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Nächste Woche fahre ich mit Julia nach Jirapa, in den Upper West, um dort Weihnachten und vielleicht auch Sylvester zu verbringen.
Deshalb möchte ich hiermit all meinen Lesern und Leserinnen noch fröhliche Weihnachten wünschen und einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!